Die Baumeister des Mittelalters hatten einen völlig anderen Bezug zu ihrer Tätigkeit. Die wirklich guten Meister waren jene, die ihren Stolz darin fanden, mit ihrer Tätigkeit Sinn zu vermitteln.

Burgos, Kathedrale

Zufällig treffen sich drei Steinmetze im Mittelalter. Sie kennen sich nicht und stellen sich gegenseitig die Frage, was sie tun. Da antwortet der erste: „Ich bin Steinmetz und behaue Steine.“ Er hat seine Arbeit im Fokus. Vermutlich ist er ein guter Handwerker, der sein Metier versteht.

Der zweite antwortet: „Ich arbeite auf Baustellen und ernähre damit meine Familie.“ Auch er hat einen ehrenwerten Grund. Ihm ist es wichtig, dass es seiner Familie an nichts fehlt. Dafür arbeitet er.

Als die Reihe an den dritten kommt, sagt dieser: „Ich baue eine Kathedrale.“ Ihm ist der Sinn seiner Tätigkeit wichtig.

Kathedralen bauen

Sie alle haben denselben Beruf und üben dieselbe Tätigkeit aus. Und dennoch ist es nicht das Gleiche. Die Arbeit aller drei wird auch sehr unterschiedlich ausfallen. Während der erste ordentliches Handwerk abliefern möchte, könnte es beim zweiten sein, dass ihm die Qualität seiner Arbeit gar nicht so wichtig ist. Bedeutung hat für ihn die Situation der Familie.

Dem Dritten aber geht es um den Sinn. Er lebt für das, was er tut, nämlich ein wundervolles Gebäude zu errichten. Er ist stolz auf das was durch seine Arbeit entsteht, dass das etwas Bleibendes ist. Er gestaltet etwas für andere, also für jene Leute, denen die Kathedrale etwas bedeuten wird. Seine ganze Kunst wird er hineinlegen, um diese Bedeutung zu vermitteln. Und vielleicht ist das Wichtigste dabei:

Anderen Sinn zu schaffen, gibt einem selbst Sinn

Wir versorgen eine Großstadt mit Energie!

Genau diese Einstellung fand ich bei einem Bereichsleiter im Energieversorgungsunternehmen einer Großstadt, als er sagte: „Wir versorgen eine Großstadt mit Energie! Das ist doch was!“ Dabei leuchteten seine Augen und sie sprachen von dem Sinn, den er in seiner Arbeit sieht. Dieses Leuchten überträgt sich und täglich kann man es in den Augen seiner eineinhalbtausend Mitarbeiter finden.